Bullshit Aussagen im Bogenschießen.

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ullr
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Aufblähen der Sehne beim Schuss

Beitrag von ullr » 28. Aug 2020, 12:48

Da habe ich beim Blättern in einem anderen Forum folgende Aussage gefunden:
Ist eine Sehne (Recurve) nicht eingedreht, wird sie sich beim Schuss "Auffächern"...
Das würde man dann direkt im Gesicht spüren, spüren können... Ich habe da nicht mehr wirklich weitergelesen. Wie kommt der User zu dieser Aussage???
Vor Jahrzehnten habe ich mal von einem Dumpfbeutel in einem renommierten Bogensportmagazin die Innenballistik wie folgt beschrieben gelesen:
Also, nach dem Lösen kriegt der Pfeil einen Stoss, bewegt sich nach vorne, aber die Wurfarme sind langsamer und deshalb wird die Sehne schlaff und schlackert so vor sich hin...
Ich staune noch heute über das unbeschreibliche Nichtwissen dieses Typs und seinen Mut (es war irgendein Trainer) dieses NIchtwissen auch noch preiszugeben...
Tja, sowas hält sich wie Hundekacke am Schuh...
Denn genau diese Verhalten wäre notwendig, dass die Sehne schlaff wird und sich dadurch durch Luftwiderstand, Bewegung des Pfeiles usw usf "Aufblähen" könnte.
Und das ist fetter Bullshit.
Natürlich wirken in der Sehne die ganze Schußzeit über die Spannkräfte der Wurfarme, und die bleiben hoch, sehr hoch. Da ist nix mit Aufblähen. Wenn der Pfeil die Sehne verlassen hat schwingen natürlich die Wurfarme durch und eine Weile (deutlich länger als die Schußzeit) nach. Da wird die Sehne etwas entspannt, gespannt, entspannt, ob das ausreicht, dass sich eine nichteingedrehte Sehne "aufbläht" sei dahingestellt.
Das Eindrehen/Nichteindrehen der Sehne wird einen kleinen Einfluss auf das elastische Dehnungsverhalten der Sehne selber haben und damit einen Einfluss auf das Abschussgeräusch...
Just my five cents.
Gruß, bleibt gesund und klar doch,
"Gut Schuss!"
ullr
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landbub
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Re: Bullshit Aussagen im Bogenschießen.

Beitrag von landbub » 28. Aug 2020, 13:06

Eine Evidenz dazu scheint es nicht zu geben. Dafür viele verschiedene Meinungen und in USA hat sich für dieses angenommene Verhalten der Begriff "Balooning" eingebürgert.
Ich glaube auch, im Archery Talk Forum mal High Speed aufnahmen gesehen zu haben, die tatsächlich ein Auffächern einer nicht eingedrehten Sehne zeigten. Habs nicht weiter verfolgt, weiss also nicht, ob man dem Verhalten eine Relevanz beigemessen hat.

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ullr
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Re: Bullshit Aussagen im Bogenschießen.

Beitrag von ullr » 28. Aug 2020, 13:34

landbub hat geschrieben:
28. Aug 2020, 13:06
Eine Evidenz dazu scheint es nicht zu geben. Dafür viele verschiedene Meinungen und in USA hat sich für dieses angenommene Verhalten der Begriff "Balooning" eingebürgert.
Ich glaube auch, im Archery Talk Forum mal High Speed aufnahmen gesehen zu haben, die tatsächlich ein Auffächern einer nicht eingedrehten Sehne zeigten. Habs nicht weiter verfolgt, weiss also nicht, ob man dem Verhalten eine Relevanz beigemessen hat.
Ich habe eben mal rumgeblättert, High Speed Aufnahmen habe ich nicht gefunden. Unter Balooning wird wohl verstanden, dass sich im Schuss bei nicht eingedrehter Sehne die Fäden "trennen" und erst unter "Shock" wieder zusammenfinden.
Interessant ist auch diese Aussage:
Twists, or rather too many twists effectively turns the string into a spring and wastes energy due to increased stretch on shock. Again, if you can actually tell how much of a deficit there is, you have better measuring equipment that I do!
Was für ein Quatsch... Die bilden sich ein, mit ihrer lächerlichen Ausrüstung solche Mikrobewegungen nachweisen zu können. Und Mikrobewegungen bedeuten Mikroenergieinhalte...
Ich werde mal weitersuchen...
ullr
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Re: Bullshit Aussagen im Bogenschießen.

Beitrag von ullr » 31. Aug 2020, 11:30

Okeh, da wurde in einem anderen Forum dieses Bild veröffentlicht:
Bild
Da ist die Sehne beim Hin-und Herratschen nach dem Schuß, d.h. der Pfeil hat die Sehne schon seit langer Zeit verlassen, dargestellt.
Da dreht sich der Bogen, die Wurfarmspitzen schwingen her und hin, die Sehne dehnt sich mal hin und mal her, die Belichtungszeit ist nicht angegeben und mit hoher Wahrscheinlichkeit so lang, dass diese hübschen Verschmierungen entstehen...
Ja, mit dem Bild ist eine Aussage über das "Aufblähen" der Sehne während der Schußzeit, also innerhalb der 13ms, in der der Pfeil beschleunigt wird nichts und garnichts zu sagen.
Gruß, bleibt gesund und klar doch,
"Gut Schuss!"
Christian
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Re: Bullshit Aussagen im Bogenschießen.

Beitrag von ullr » 31. Aug 2020, 13:36

Meine letzte Anmerkung:
Ein User fragt und antwortet:
Wann lastet die volle Bogenkraft auf die Bogensehne? Wenn sich der Bogen im Ruhezustand befindet.
Ja.
Zweite Frage/Antwort:
Wann ist die Bogensehne am stärksten entlastet? Wenn sich die Bogensehne im Vollauszug befindet.
Ja.
dritte Frage und Antwort:
Was passiert mit der Bogensehne nach dem Lösen des Pfeiles von der Sehne? Sie wird schlagartig von den zurückschnellenden Wurfarmen in den Ruhezustand gebracht. Damit wirkt jetzt wieder die volle Bogenkraft auf die Sehne.
Nein.
Nein. Beim Beschleunigen nimmt die Spannkraft in der Sehne kontinuierlich zu. Nix mit harter Schlag und so. Nach dem Lösen des Pfeiles von der Sehne bewegen sich die Wurfarme weiter nach vorn, spannen die Sehne ein klitzebißchen*) mehr und dann läuft das Ganze in eine gedämpfte Schwingung aus. Und das alles bewegt sich im elaschtischen (https://www.youtube.com/watch?v=ZkcPmnyRPEY) Dehnverhalten der Sehne, also sehr kleine Energieinhalte. Vollkommen schnurzpiepegal (weil sehr klein) ob Sehne eingedreht oder nicht.
Lesefutter dazu? Klar doch:
https://cnentwig.home.ktk.de/11_03_17_S ... Saite.html
Irgendein "Auffächern???" .... Bullshit.
Gruß und klar doch,
"Gut Schuss!"
Christian
*) Ergänzt: Das "klitzebißchen" reichte aus, eine Aramid-Sehne genau nach dem Launch des Pfeiles reißen zu lassen. Über den Turnierplatz schallte "KEVLAR!!!", der Schütze sammelte seinen Bogenkrempel auf der Schießlinie ein und fand beim Pfeileziehen seinen Pfeil in der Zehn... :D
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rstoll
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Re: Bullshit Aussagen im Bogenschießen.

Beitrag von rstoll » 1. Sep 2020, 09:13

Frage und Antwort "Sehnenspannkraft" abgetrennt und hierhin verschoben: viewtopic.php?f=18&t=338
Hier ärgere ich regelmäßig Kinder und Erwachsene ;-) www.bsc-schoemberg.de

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ullr
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Kugelnockpunkt -> Bullshit

Beitrag von ullr » 3. Sep 2020, 08:41

Ich dachte, diese Fehlkonstruktion (Kugelnockpunkt und die zugehörigen Nocken) wäre schon im letzten Jahrtausend vom Markt verschwunden.
Is nich.
Der Kugelnockpunkt (in jeder Form) ist unnütz, (genauso wie assymmetrische Beiternocken) er verursacht nur viel unnötige Arbeit.
Wer eine Diskussion darüber möchte, möge einen Thread aufmachen.
ullr
der sich immer wieder darüber wundert, wie lange sich.... oK, ok, ja das eintönige Gerappel der Bartaufwickelmaschine im Kelller...
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b_der_k_te
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Re: Bullshit Aussagen im Bogenschießen.

Beitrag von b_der_k_te » 3. Sep 2020, 09:12

Die asymmetrischen Nocken von Beiter sind aber nur außen asymmetrisch. Was allerdings auch nur Blankbogenschützen zur Gute kommt weil sie trotz Abgriff an der Sehne die Nockpunktbegrenzer enger zusammen setzen können.
Der Nockboden ansich ist ganz normal.
Ja, ich kenne eine Meldung die besagt das die Pfeile im Ziel höher bzw. tiefer stecken wenn die asymmetrische Nocke verkehrt herum eingenockt wird. Das kann meiner Meinung nach eigentlich nur dann eintreten wenn die Nockpunktbegrenzer doch mit der Außenkontur der Nocke im Abschuß in Konflikt geraten.

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