IFAA vs. DFBV

Fragen zu den Regelwerken der einzelnen Bogensportverbände
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Coolblue
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IFAA vs. DFBV

Beitrag von Coolblue » 6. Dez 2020, 11:59

Ich habe mich kürzlich mal etwas genauer mit dem Regelwerk auseinandergesetzt. Insbesondere mit den Regeln für die Bowhunter Recurve Klasse. Zunächst habe ich das englische Regelwerk der IFAA (International Field Archery Association) gefunden und gelesen. Anschließend dann die deutschsprachigen Regeln der nationalen Verbände. In Deutschland der DFBV, in Österreich der ÖBSV.

Aber anders als der Österreichische Bogensportverband, hat der Deutsche Feldbogen Sportverband das internationale Regelwerk offenbar nicht wörtlich übersetzt. Das die Regeln des Dachverbandes von den nationalen Verbänden unter Umständen “ausgelegt” werden, würde mich nicht weiter wundern. Aber kann ein nationaler Verband das internationale Regelwerk umschreiben, sprich, seine eigene Interpretation in seinem Territorium verbindlich machen?

Auffällig finde ich z.B. folgenden Absatz bezüglich der Position der Sehnenhand. Die IFAA schreibt dazu:

“An archer shall touch the arrow when nocked with the index finger against the nock. Finger position may not be changed during competition. In cases of physical deformity or handicap special dispensation shall be made.”

Der ÖBSV übersetzt (fast) korrekt:

“Der Schütze muss mit dem Zeigefinger die Pfeilnocke berühren. Er darf die Fingerposition während des Wettbewerbs nicht verändern. Ausgenommen sind Fälle von körperlicher Behinderung, für die spezielle Ausnahmen gemacht werden.”

Der DFBV schreibt stattdessen:

“Die Bogensehne kann „mediterran“ oder mit „Untergriff“ (Apachegriff) gegriffen werden. Wird der Untergriff verwendet, muss ein Finger den Nock oder, soweit vorhanden, den Klemmring (o.ä.) berühren.”

Die IFAA Formulierung ist geradezu elegant. Der Zeigefinger muss die Nocke berühren. Durch die Auslassung von über oder unter (der Nocke) wird klar, dass sowohl mediterran, als auch Untergriff erlaubt sind. Abgreifen jedoch nicht. Kürzer und eindeutiger kann man es nicht formulieren. Offenbar aber hat man beim DFBV vermutet, dass deutsche Schützen diese Formulierung nicht verstehen werden. ;)

Die Ausnahme in Fällen körperlicher Behinderung wurde ersatzlos gestrichen. Ebenso der Hinweis darauf, dass die Fingerposition während des Wettbewerbs nicht verändert werden darf. Nach DFBV kann ich also lustig zwischen Untergriff und mediterranem Griff wechseln.

Erweitert hat der DFBV die Regel aber um “…oder, soweit vorhanden, den Klemmring (o.ä.)”. Nach DFBV ist es also ausreichend, wenn der Nockpunktbegrenzer berührt wird, nicht aber die Nocke selbst.

Wenn das ein Messing Nockpunkt ist, denn machen die 2-3mm kaum einen Unterschied - obwohl das für manche Systemschützen schon der 50m Abgriff ist. Wo aber ist die Grenze? Wenn ich meinen Nockpunktbegrenzer mit 10 oder 15 Knoten wickle, reicht es dann auch, den am unteren Ende zu berühren? Nach DFBV Regeln eigentlich schon, aber das ist dann ganz eindeutig ein Abgriff.

Interessant ist auch, dass der ÖBSV in seiner Übersetzung schreibt: “Verbindlich ist nur die englische Originalfassung.” So würde ich das auch sehen. Die Version des DFBV ist durch die Freiheiten in der Übersetzung jedenfalls nicht besser (eindeutiger) geworden. Aber nochmal die Frage: Dürfen die das?

Grüße,
Andreas

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mbf
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Re: IFAA vs. DFBV

Beitrag von mbf » 7. Dez 2020, 06:32

Ja, sie dürfen.

Das ist und war immer Gegenstand langer Diskussionen, wenn nationales von internationalem Regelwerk abweicht. Richtig unschön wird es, wenn es die Bogenklassen angeht (Langbogen IFAA/DFBV), aber auch bei Abläufen im Turnier. Bei internationalen Veranstaltungen ist es immer spannend/nervig, da andere Nationen auch andere Auslegungen haben.

Das gabs/gibts ansonsten auch bei WA/DSB, Klassiker waren Tab Blankbogen oder die Startnummern. Aber auch so etwas wie Recurve bei 3D. DSB erlaubt es, WA hat es nicht im Programm - hier ist es mal eine positive Sache, wenn abgewichen wird.

Es sind dann immer auch grundlegende Fragen, die gestellt werden: ist das internationale Regelwerk wirklich immer sinnvoll, auch im Hinblick auf den Breitensport?
Grüße, Matthias

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Re: IFAA vs. DFBV

Beitrag von Coolblue » 7. Dez 2020, 10:27

mbf hat geschrieben:
7. Dez 2020, 06:32
Ja, sie dürfen.
Oje! Das hatte ich fast befürchtet. :|
mbf hat geschrieben:
7. Dez 2020, 06:32
Es sind dann immer auch grundlegende Fragen, die gestellt werden: ist das internationale Regelwerk wirklich immer sinnvoll, auch im Hinblick auf den Breitensport?
So wie du die Frage stellst, muss ich annehmen, dass das oft genug nicht der Fall ist. Aber mir fehlt da einfach die Erfahrung/Ahnung, um das zu beurteilen.

In dem von mir zitierten Beispiel, habe ich das Gefühl, als wollte man im Grunde das Gleiche ausdrücken, nur mit anderen Worten. Aber das ist so verunglückt, dass die Formulierung jetzt weniger eindeutig ist als zuvor. Verschlimmbessert...

Grüße,
Andreas

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Re: IFAA vs. DFBV

Beitrag von mbf » 22. Jan 2021, 20:46

In der SpO 2021 liest es sich anders:
"Die Bogensehne kann „mediterran“ oder mit „Untergriff“ (Apachegriff) gegriffen werden, so dass der Pfeil vom Zeigefinger berührt wird. [...]"
Grüße, Matthias

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Re: IFAA vs. DFBV

Beitrag von Coolblue » 22. Jan 2021, 21:07

mbf hat geschrieben:
22. Jan 2021, 20:46
In der SpO 2021 liest es sich anders:
Ja schau an! Der DFBV liest mit. ;)
Danke für den Hinweis!

Grüße,
Andreas

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Re: IFAA vs. DFBV

Beitrag von landbub » 25. Jan 2021, 17:06

Das war auch notwendig. Wie viele haben sich da ein Fixed Crawl von nem cm oder so gewickelt? Mach auf kurze Distanzen einiges aus bei PoA. Nocke: PoA km Boden. Abgriff 1cm: PoA am Bauch.

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