Wann mit dem Klicker beginnen?

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Kitty
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Wann mit dem Klicker beginnen?

Beitrag von Kitty » 19. Aug 2018, 16:00

Ich kenne es nur aus meinem Bogenumfeld, dass der Klicker erst dazu kommt, wenn jemand auch schon eine gewisse Technik beherrscht. Dadurch ist der Auszug relativ konstant. Im Internet liest man mitunter aber auch Mal Äußerungen, in denen ausgesagt wird, dass der Klicker nach 2 Wochen oder so schnell wie möglich dran sein sollte/von Anfang an. Das würde dann aber bedeuten, dass jemand sich mit dem Klicker erst Mal eine Auszugslänge antrainiert. Wenn der Klicker falsch eingestellt ist, dann trainiert derjenige sich Käse an und gerade im Bereich der Anfänger, wird der Auszug auch eher noch länger
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bkr_hro
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Re: Wann mit dem Klicker beginnen?

Beitrag von bkr_hro » 19. Aug 2018, 22:44

Der Schütze solte einen reproduzierbar immer gleichen Auszug haben.
Am Freitag genau denselben wie Montag, auf 30m genau wie auf 70.

Wobei "genau gleich" natürlich nicht exakt 1 mm ist, aber wer da Schwankungen von 10 mm hat...

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ullr
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Re: Wann mit dem Klicker beginnen?

Beitrag von ullr » 20. Aug 2018, 00:00

bkr_hro hat geschrieben:
19. Aug 2018, 22:44
Der Schütze solte einen reproduzierbar immer gleichen Auszug haben.
Am Freitag genau denselben wie Montag, auf 30m genau wie auf 70.

Wobei "genau gleich" natürlich nicht exakt 1 mm ist, aber wer da Schwankungen von 10 mm hat...
Bei uns werden Schützen*innen, die die Anfängerausbildung hinter sich und ihre Mietbogenausrüstung haben und damit schon zwei-drei Monate gut auf 18m und 30m geschossen haben, wenn sie wollen, auf Klicker umgestellt.
Das passiert an einem Trainingstag auf 10m.
Der Schütze*in schießt auf eine Luftpistolenscheibe. Dabei wird seine Auszugslänge festgestellt und der Klicker danach eingestellt.
Jo. Unter Ausicht schießt er auf "klick" und zwar konsequent. Der Ausbilder kriegt durch die Beobachtung von der Seite, (senkrechte Blickrichtung auf den Klicker) jeden Schusses mit, wie lang die physiologische Schußzeit, und die persönliche Verzögerung (seine Reaktionszeit) zwischen Klickerfall und Schußauslösung ist. Wenn die Daten feststehen, wird der Schütze konsequent und deutlich darauf hingewiesen, dass er
1. gleichmäßig mit immer kleiner werdender Spanngeschwindigkeit ohne jeglichen Stop zu spannen hat, nur und nur auf das Visierkorn zu sehen hat, und
2. auf Klick geschossen wird. Und sonst garnichts. Und immer noch garnichts. Dieses Prozedere dauert einen ganzen Nachmittag.
Stellt sich der Schütze gut an, wird er weiter mit Klicker schießen. Er wird vom Ausbilder weiter beobachtet, und konsequent, sehr deutlich und eindeutig darauf hingewiesen, das Schießen nach Klick zu unterlassen. Passiert das nicht, wird ihm auch gesagt, dass der Ausbilder keine weitere Zeit an dem Auszubildenden verschwenden wird.
Später wird immer wieder mit Einzeltraining auf 10m mit dem Zielpunkt Luftpistolenscheibe der Klicker eingeübt, mit geschlossenen Augen und Fremdklicker.
Klingt ein wenig hart, aber
"Nur die Harten kommen in den Garten."
Hier die Grundlagen dazu.
So ungefähr...
;)
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Kitty
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Re: Wann mit dem Klicker beginnen?

Beitrag von Kitty » 20. Aug 2018, 11:06

Ich hatte nach 15 Monaten einen Klicker am Bogen und habe ihn nach einigen Monaten dann auch genutzt. Ich musste erst Mal jemand finden, der mir das Schießen mit Klicker beigebringen kamm. In meinen damaligen Umfeld/Vereinen wusste keiner wie man mit Klicker umgeht.
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ullr
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Re: Wann mit dem Klicker beginnen?

Beitrag von ullr » 20. Aug 2018, 12:04

Kitty hat geschrieben:
20. Aug 2018, 11:06
Ich hatte nach 15 Monaten einen Klicker am Bogen und habe ihn nach einigen Monaten dann auch genutzt. Ich musste erst Mal jemand finden, der mir das Schießen mit Klicker beigebringen kamm. In meinen damaligen Umfeld/Vereinen wusste keiner wie man mit Klicker umgeht.
Ja, das war 1975 noch schlimmer. Im Prinzip ist in der Literatur (auch von höchstqualifizierten Trainern- wer einen Hauch von Sarkasmus bemerkt, liegt so daneben nicht) extrem wenig über die eigentliche Funktion und wie man den Regelkreis konditioniert zu finden. Und dann kommt noch das Geschwätz unbedarfter Spitzenschützen (*innen fallen mir eigentlich keine ein... :lol: ...) zum Tragen, an dem sich wieder Trainer aller Leistungsklassen gegenseitigt aufgeilen ("der und der macht das genauso, wie ich es Dir erkläre") Und der lernwillige Bogenschütze*in tappt dann noch zusätzlich in die Falle "Wer heilt hat Recht". Nein, das stimmt nicht. Quacksalber, Scharlatane religiöse und politische Betrüger fahren voll auf dieser Masche ab. Auch die Abwandlung "Wer trifft hat Recht" ist grottenfalsch. Es ist die Verwechslung von Korrelation und Kausalität.
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Re: Wann mit dem Klicker beginnen?

Beitrag von test01 » 21. Aug 2018, 12:00

ullr hat geschrieben:
20. Aug 2018, 00:00
.... ohne jeglichen Stop zu spannen hat, nur und nur auf das Visierkorn zu sehen hat, und
ullr
heisst das, dass das Beobachten des Sehnenschattens in diesem Zeitraum nicht mehr stattfindet?

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ullr
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Re: Wann mit dem Klicker beginnen?

Beitrag von ullr » 21. Aug 2018, 12:27

test01 hat geschrieben:
21. Aug 2018, 12:00
ullr hat geschrieben:
20. Aug 2018, 00:00
.... ohne jeglichen Stop zu spannen hat, nur und nur auf das Visierkorn zu sehen hat, und
ullr
heisst das, dass das Beobachten des Sehnenschattens in diesem Zeitraum nicht mehr stattfindet?
Ja. Das sollte während des Spannens geregelt werden. Und Dein Selbsttrauen (Wortschöpfung meiner Enkelin) übernimmt diesen Part ganz von alleine.
Ich nehme guten Schützen es ohne Weiteres ab, wenn sie mir sagen, dass die Lage der Sehne beim Zielvorgang für sie keine Rolle spielt, weil sie die garnicht mehr wahrnehmen. Sie haben diesen Part durch konsequentes Üben in das Unbewußte verschoben.
ullr
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Re: Wann mit dem Klicker beginnen?

Beitrag von bkr_hro » 21. Aug 2018, 14:43

Er wird vom Ausbilder weiter beobachtet, und konsequent, sehr deutlich und eindeutig darauf hingewiesen, das Schießen nach Klick zu unterlassen.
wie ist denn das gemeint ?

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ullr
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Re: Wann mit dem Klicker beginnen?

Beitrag von ullr » 21. Aug 2018, 16:11

bkr_hro hat geschrieben:
21. Aug 2018, 14:43
Er wird vom Ausbilder weiter beobachtet, und konsequent, sehr deutlich und eindeutig darauf hingewiesen, das Schießen nach Klick zu unterlassen.
wie ist denn das gemeint ?
Wenn man seine Pappenheimer kennt, dann weiß man ganz genau, dass sie viel lieber den Schuß exekutieren wollen unter ihrer bewußten Kontrolle. Und das siehst Du sofort, wenn sie nicht innerhalb ihrer Reaktionszeit lösen, sondern halt später. Das ist von der Seite, so wie ich es beschrieben habe, sehr einfach zu sehen. Und wenn Deine Schüler*innen Vertrauen zu Dir haben, dann werden sie auch gestehen, dass sie "nach" Klick -bewußt- gelöst haben. Der Auszubildende muß Vertrauen entwickeln, dass der Schuß "auf" Klick eben in 98% der Fälle besser ist als der "nach" Klick. Er muß es akzeptieren, dass das Zielbild, das er bewußt sieht, Vergangenheit ist. Mindestens eine Sekunde.... Der Schuß "durch" den Klicker ist dagegen überhaupt nicht schlimm. Abhaken, nächster Schuß... Wird das konsequent durchgeführt, dann merkt man plötzlich, wie das Selbsttrauen des Auszubildenden steigt und er stolz auf die reihenweise fallenden Treffer wird und es akzeptiert, dass sein unbewußter Teil im Gehirn viele Dinge viel besser kann als der bewußte Teil. Der ist nämlich lahmarschig... :lol:
Und wenn ich merke -auch das passiert- dass der Auszubildende nicht akzeptiert, was ich ihm beibringen will, tja, dann sage ich ihm freundlich und höflich, Du mußt Dir von jemand anderem Bogenschießen beibringen lassen...
Gruß
ullr
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sk90
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Re: Wann mit dem Klicker beginnen?

Beitrag von sk90 » 21. Aug 2018, 21:19

Ich möchte kurz Christians Sichtweisen zum Klicker dick unterschreiben.

- Je weniger ich bewusst auf den "Sehnenschatten" achte, um so besser werden die Schüsse.
- Wenn ich gar nicht mehr merke, dass ich auf Klick löse, also auch den Klicker gar nicht mehr bewusst wahrnehme, gilt dasselbe.
-Jeder Versuch, den Zielvorgang oder das Lösen irgendwie bewusst zu beeinflussen, verschlechtert das Ergebnis ins katastrophale.

Da ich das noch gar nicht lange mache, weil ich die letzten 25 Jahre eher traditionell und davon die letzten fünf Compound geschossen habe, weiss ich zwar, wie sich ein guter Schuss anfühlen muss aber die Erfahrungen mit Recurve und Klicker sind trotzdem frisch. Danke für die gute Beschreibung der -auch meiner Meinung nach- richtigen Vorgehensweise :)

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