Wichtige Kenndaten von Sehnengarn

Fragen, Themen die das System Bogen incl. Anbauteile betreffen
b_der_k_te
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Re: Wichtige Kenndaten von Sehnengarn

Beitrag von b_der_k_te » 26. Feb 2019, 17:32

ullr hat geschrieben:
26. Feb 2019, 11:38
Der E-Modul kann es auch nicht sein, denn der zeitliche Kraftverlauf in der Sehne während des Schusses stellt da keine Anforderungen, bzw sind die dabei betrachteten Energiebeträge, die durch elastische Dehnung während des Spannens und des Schusses entstehen Flohenergien, die getrost vernachlässigt werden können.
Davon bin ich noch nicht restlos überzeugt. Gibt da diese Software von "Bow-Simulator" ein paar Daten aus? (Ich habe sie selbst noch nicht zum Laufen gebracht; mir fehlt da eine .dll-Datei.)

Zu den Mischgarnen:
ullr hat geschrieben:
26. Feb 2019, 11:38
Danke für die Info, aber was hat das mit Qualität des Garnes zur Verwendung beim Bogen zu tun?
Compoundprobleme (Peepsight) tangieren mich nur periphär...
Dir vielleicht nicht, aber andere in dem Forum vielleicht schon.

Die Liste die da kursiert muß man nicht als Rangliste betrachten, sondern als eine Aufzählung was es alles am Markt gibt. (So wie eine Liste aller Wurfarme. Wenn man keine anderen Wurfarme benötigt, bräuchte man so eine Liste nicht beachten, falls doch könnte sie eine Hilfestellung bieten.)

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ullr
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Re: Wichtige Kenndaten von Sehnengarn

Beitrag von ullr » 26. Feb 2019, 18:32

b_der_k_te hat geschrieben:
26. Feb 2019, 17:32
...
Die Liste die da kursiert muß man nicht als Rangliste betrachten, sondern als eine Aufzählung was es alles am Markt gibt. (So wie eine Liste aller Wurfarme. Wenn man keine anderen Wurfarme benötigt, bräuchte man so eine Liste nicht beachten, falls doch könnte sie eine Hilfestellung bieten.)
Mir ist keine Liste über Wurfarme bekannt, in der technisch relevante Daten aufgeführt werden, nach denen man die Qualität der Wurfarme beurteilen kann. Das hat mbf auch schon häufig und deutlich bemängelt... Die einzige Liste, die so etwas Ähnliches tatsächlich bringt, ist eine Zusammenstellung über Compounds, die Wali mal hier im Forum verlinkt hat. Die war wirklich super.
Aber immerhin... Mir hat die Beschäftigung mit dem Thema Sehnengarne gezeigt, wie lange sich Irrtümer (in meinem Fall Kevlar/Dacron) halten. :lol:
UHMW ist in der Dichte um ca 40% leichter als Dacron. Und das war's dann schon. Und wenn ich die Masse der Sehne über die Garndicke manipuliere, dh. vortäusche, dass eine 16 Strang Sehne Garn A leichter ist als eine 16 Strang Sehne Garn B, werde ich hervorragende Daten bekommen, um nachzuweisen, dass UHMW Garn der Fa A besser ist als das der Fa B.
Gruß und klar doch,
"Gut Schuss!"
Christian
PS:
Ach ja...
Ich hatte geschrieben
Compoundprobleme (Peepsight) tangieren mich nur periphär...
Weil Kunststoffe unter Belastung immer "kriechen". Deshalb ist das Problem des "Drehens" des Peepsights durch Änderung des Sehnenmaterials nicht endgültig lösbar. Und unlösbaren Problemen sollte man aus dem Weg gehen... :D
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Wali
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Re: Wichtige Kenndaten von Sehnengarn

Beitrag von Wali » 26. Feb 2019, 22:16

ullr hat geschrieben:
26. Feb 2019, 18:32

Ach ja...
Ich hatte geschrieben
Compoundprobleme (Peepsight) tangieren mich nur periphär...

Weil Kunststoffe unter Belastung immer "kriechen". Deshalb ist das Problem des "Drehens" des Peepsights durch Änderung des Sehnenmaterials nicht endgültig lösbar. Und unlösbaren Problemen sollte man aus dem Weg gehen... :D

Das Kunststoffe immer kriechen, wurde mir auch mal so beigebracht. Wird sich wohl auch nicht ändern.

Jedoch hat sich seit dem schon einiges getan. Takelage an Segelbooten baut man mittlerweile nicht mehr aus Stahlseil, weil die Garne bezüglich kriechen und Zugfestigkeit mit Stahl gut mithalten können.

Drehende Peepsights sind auch kein Thema mehr, wenn man bei einem guten Sehnenbauer gekauft hat und keinen Blödsinn beim Montieren der Sehne macht. Die Sehne ist so fett ausgelegt, das sie nicht messbar kriecht. Vor Jahren waren Compoundsehnen mit Vectrananteil wohl die erste Wahl um dem Creep vorzubeugen. Ich denke das kommt aber langsam aus der Mode. Das pure Dyneemazeug wird immer hochwertiger.

Es wird die Recurver zwar nicht jucken, geschweige denn sie bemerken es auch nicht, aber steckt mal eine Nadel in die Sehne und spannt dann mal den Bogen. Fängt die Nadel beim Auszug an zu rotieren, habt ihr eine schlecht gebaute Sehne.
Für Compound ist das Ausschuß, gibt nichts ätzenderes wie ein drehendes Peep oder so ein Gummiband am Peep um den Laden gerade zu ziehen.

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Re: Wichtige Kenndaten von Sehnengarn

Beitrag von ullr » 27. Feb 2019, 05:14

Wali hat geschrieben:
26. Feb 2019, 22:16
ullr hat geschrieben:
26. Feb 2019, 18:32

Ach ja...
Ich hatte geschrieben
Compoundprobleme (Peepsight) tangieren mich nur periphär...

Weil Kunststoffe unter Belastung immer "kriechen". Deshalb ist das Problem des "Drehens" des Peepsights durch Änderung des Sehnenmaterials nicht endgültig lösbar. Und unlösbaren Problemen sollte man aus dem Weg gehen... :D

Das Kunststoffe immer kriechen, wurde mir auch mal so beigebracht. Wird sich wohl auch nicht ändern.
...
Ja.
Jedoch hat sich seit dem schon einiges getan. Takelage an Segelbooten baut man mittlerweile nicht mehr aus Stahlseil, weil die Garne bezüglich kriechen und Zugfestigkeit mit Stahl gut mithalten können.
...
Zugfestigkeit stimme ich zu, aber Metalle "kriechen" im Elastizitätsbereich nur unter Temperatureinfluss -von Blei reden wir nicht, Leichtmetalllegierungen fangen bei Temperaturen unter 100°C an.
[Karneval]Lach... sehr gewissenhafte Bogenschützen/Innen sollten deshalb den Sehnenstand gegen Ende eines heißen Turniertages nachkontrollieren, der hat sich möglicherweise vergrößert[/Olau].
Stahl kriecht erst bei wesentlich höheren Temperaturen, so um die 300-400°C
Es wird die Recurver zwar nicht jucken, geschweige denn sie bemerken es auch nicht, aber steckt mal eine Nadel in die Sehne und spannt dann mal den Bogen. Fängt die Nadel beim Auszug an zu rotieren, habt ihr eine schlecht gebaute Sehne.
Gute Idee (obwohl, ich würde es beim Recurve nicht als Qualitätsmerkmal betrachten), ich werde es mal ausprobieren und berichten. Ich spanne den Recurve mit einem Release (Feinwerkbau Viper)
..... gibt nichts ätzenderes wie ein drehendes Peep oder so ein Gummiband am Peep um den Laden gerade zu ziehen.
Das kann ich mir lebhaft vorstellen. :lol:
Guten Morgen und klar doch,
"Gut Schuss!"
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Re: Wichtige Kenndaten von Sehnengarn

Beitrag von b_der_k_te » 27. Feb 2019, 11:55

Wali hat geschrieben:
26. Feb 2019, 22:16
Vor Jahren waren Compoundsehnen mit Vectrananteil wohl die erste Wahl um dem Creep vorzubeugen. Ich denke das kommt aber langsam aus der Mode. Das pure Dyneemazeug wird immer hochwertiger.
Dyneema hat von der Molekularstruktur her grundsätzlich ein Kriechverhalten. Aber es stimmt, dieses konnte mittlerweile so weit reduziert werden, sodaß es sich erst bei hoher Last bzw. hohen Temperaturen bemerkbar macht. Diese Last wird bei einer Bogensehne üblicher Dicke nicht erreicht.
Vectran wurde und wird trotzdem noch beigemischt weil Vectran eben gar kein Kriechverhalten hat. Es gibt schon viele Kunststoffe die nicht kriechen. (In diversen Links bzw. Datenblättern liest man sowas wie "nicht messbar". Ganz ehrlich, wenn das schon nicht mehr als messbar gilt, betrachte ich es als nicht vorhanden.)
Es wird die Recurver zwar nicht jucken, geschweige denn sie bemerken es auch nicht, aber steckt mal eine Nadel in die Sehne und spannt dann mal den Bogen. Fängt die Nadel beim Auszug an zu rotieren, habt ihr eine schlecht gebaute Sehne.
Für Compound ist das Ausschuß, gibt nichts ätzenderes wie ein drehendes Peep oder so ein Gummiband am Peep um den Laden gerade zu ziehen.
Diese Übung hat aber rein gar nichts mit Kriechen zu tun. Wobei ich nicht weiß ob Du es überhaupt aufs Kriechen bezogen hast... Es wirkt für mich so im Zusammenhang.
Kriechen (Creep) wird in zig hundert Stunden gemessen, nicht innerhalb von 2 Sekunden Bogen ausziehen. Ein Compoundbogen bei dem die Sehne unter großer Vorspannung gehalten wird und nie abgespannt wird, hat über mehrere Tage und Wochen ein Problem mit Creep.
Wenn sich die Sehnenspannung bei Ausziehen deutlich ändert - und das tut sie beim Compound wesentlich stärker als beim Recurve - könnte man das Verdrehen einer eingedrehten Sehne über die Elastizität des Materials erklären. Doch diese ist bei den Garnen dermaßen gering das man es für den Fall schon wieder ausschließen kann.
"Markierungen" an der Sehne werden sich am ehesten verdehen wenn die einzelnen Stränge unterschiedliche Spannungen haben. Das kann beim Wickeln genauso wie beim eindrehen passieren. Also so wie Du geschieben hast: wenn die Sehne schlecht gebaut wurde.

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Re: Wichtige Kenndaten von Sehnengarn

Beitrag von ullr » 27. Feb 2019, 12:36

Hallo, b_der_k_te schreibt:
Kriechen (Creep) wird in zig hundert Stunden gemessen, nicht innerhalb von 2 Sekunden Bogen ausziehen.
Genau. Und wenn Creep ein Qualitätsmerkmal für Bogensehnen (speziell für Compound, für Recurve spielt Creep überhaupt keine Rolle) ist, dann wäre es fair, Meßdaten die einen Vergleich zulassen, zu veröffentlichen. Creep läßt sich m.W. nicht aus den üblichen mechanischen Daten in irgendeiner Form ableiten.
Gruß und klar doch,
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Re: Wichtige Kenndaten von Sehnengarn

Beitrag von wapi » 27. Feb 2019, 15:30

Wali hat geschrieben:
26. Feb 2019, 22:16
ullr hat geschrieben:
26. Feb 2019, 18:32

Ach ja...
Ich hatte geschrieben
Compoundprobleme (Peepsight) tangieren mich nur periphär...

Weil Kunststoffe unter Belastung immer "kriechen". Deshalb ist das Problem des "Drehens" des Peepsights durch Änderung des Sehnenmaterials nicht endgültig lösbar. Und unlösbaren Problemen sollte man aus dem Weg gehen... :D

Das Kunststoffe immer kriechen, wurde mir auch mal so beigebracht. Wird sich wohl auch nicht ändern.

Jedoch hat sich seit dem schon einiges getan. Takelage an Segelbooten baut man mittlerweile nicht mehr aus Stahlseil, weil die Garne bezüglich kriechen und Zugfestigkeit mit Stahl gut mithalten können.

Drehende Peepsights sind auch kein Thema mehr, wenn man bei einem guten Sehnenbauer gekauft hat und keinen Blödsinn beim Montieren der Sehne macht. Die Sehne ist so fett ausgelegt, das sie nicht messbar kriecht. Vor Jahren waren Compoundsehnen mit Vectrananteil wohl die erste Wahl um dem Creep vorzubeugen. Ich denke das kommt aber langsam aus der Mode. Das pure Dyneemazeug wird immer hochwertiger.

Es wird die Recurver zwar nicht jucken, geschweige denn sie bemerken es auch nicht, aber steckt mal eine Nadel in die Sehne und spannt dann mal den Bogen. Fängt die Nadel beim Auszug an zu rotieren, habt ihr eine schlecht gebaute Sehne.
Für Compound ist das Ausschuß, gibt nichts ätzenderes wie ein drehendes Peep oder so ein Gummiband am Peep um den Laden gerade zu ziehen.
Wali,
den allgemeinen Begriff Kunststoff zu diesem Thema zu verwenden, ist irreführend; wir reden hier über vollsynhetisches Garne, genau genommen um vom Polymer aus betrachtet um drei unterschiedliche Garne HMPE bzw. UWHMPE, Polyester (früher Dralon) und Vectran. Diese Garne werden in zwei deutlich unterschiedlichen industriellen Spinnverfahren produziert. Vollsysthetische Garne werden hinsichtlich ihrer Einsatzgebiete und Leistungs-Merkmale vom Polymer und vom Spinnverfahren her "konstruiert". Die hier in einem anderen post gemachte Aussage, dass diese Garne alle creep haben, ist ebenso nicht richtig.

Um es näher und verständlicher zu formulieren, muß man sich die erwähnten Spinnverfahren ansehen. Garne, die man aufgrund eines bestimmten creeps einsetzen will, werden im sogenanten Gelspinnverfahren hergestellt. Das bedeutet, dass das jeweilige Polymer zu einem Brei/Flüssigkeit erhitzt wird und durch einen Spinnkopf gepreßt wird. Nach dem Austritt der Filamente durchlaufen sie eine Kühlzone werden fest und sind sofort spulbar. Zu den nach diesem Produktionsweg hersgestellten Garnen gehören u. a. die HMPE / UWHMPE Garne sowie die unter dem früheren Label Dralon bekanntgewordenen Polyester- Garne. Alle diese Garne haben Creep und sind zudem temperaturanfällig. Davon sind im erwähnten Beispiel Polyester stärker betroffen als HMPE/UWHMPE, bei denen die Creep- und Temperaturanfälligkeit in den verschiedenen Entwicklungs- und Produktstufen durch Änderungen der Molekularstrukturen immer weiter verbessert wurden.

Vectran gehört zur Familie der Aramidfasern, die für einen ganz anderen Verwendungszweck entwickelt wurden. Da sie so gut wie kein Creep aufweisen und temperaturbeständig sein sollten, wurde hier das sogenannte Naßspinnverfahren angewandt. Hierbei wird das Polymer in einem Säurebad verflüssigt, durch einen Spinnkopf gepreßt wobei die Filamente nach dem Austritt aus dem Spinnkopf in einem Wasserbad sofort aushärten. Aushärtem im wahrsten Sinne das Wortes, das Garn "knochenhart". Verarbeitet wird dieses Garn für Produkte z. B. Seile/Taue, die absolut kein creep aufweisen dürfen. Ebenso werden Gewebe hergestellt, aus denen schusssichere Westen, Sicherheitshelme, Feuerwehrschutzkleidung etc. entstehen.

Nun hatten vor einigen Jahren ein paar "schlaue" Bogenschützen die Idee, dieses Aramid Garn (Kevlar von DuPont) als Bogensehnen zu verwenden. Sie verkannten aber, dass die Arbeitsweise einer Bogensehne absolut nicht den Leistungsmerkmalen eines Aramid-Garnes entsprach: Fazit, nach wenigen 100 Schüssen brach die Kevlarsehne, und zwar nach Lösen das Schusses und unmittelbar mit dem Dämpfen der Wurfarme.

Das letzlich Vectran, ein Garn aus der Aramid-Familie, Einzug in das Sehnenmaterial für den Bogensport hielt, ist der Tatsache zu verdanken, dass die seinerzeit in Amerika entstandenen Copoundbögen mit den damaligen Spectra Garn "untermotorisiert" waren. Die weitere Entwicklung und Vermarktung der Copoundbögen ist bekannt.

Inzwischen hat sich in der Bogenwelt eine Anwender-Erfahrung entwickelt, die sich von den Verwendungsempfehlungen der Bogensehnengarnhersteller z. T.weit entfernt hat.

Wenn also hier die Leistungsfähigkeit von Sehnengarnen diskutiert wird, sollte man unbedingt auch die unterschiedlichen Spinnprozesse beachten. Leider hat die Bogensportwelt nie Anforderungen oder Pflichtenhefte an die Chemiefaser-Industrie gestellt bzw. formuliert, wie ein Garn für Bogensehnen auszusehen hat und welche Anforderungen es erfüllen muss. Ich denke, das wird auch in absehbarer Zeit nicht erfolgen.
Dazu noch eine Erfahrung aus einer mehrwöchigen Diskussion von mir mit Sid Border zum Thema Bogensehnen. Er hält das bis jetzt vorhandene Garn für "over built" mit dem Hinweis, das alle jetzigen Garne auf Sicht die Bögen zerstören würden.

Zum Schluß noch eine Bemerkung zu dem Begriff Creep. Zu diesem gibt es oftmals ein unterschiedliches Verständnis was auch zu Mißverständnissen führt. Wenn erforderlich, müßte man hier die DSM - Definition noch mal ausführlich darstellen.

Gruß

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Re: Wichtige Kenndaten von Sehnengarn

Beitrag von ullr » 27. Feb 2019, 16:08

Wali hat geschrieben:
26. Feb 2019, 22:16
...
Es wird die Recurver zwar nicht jucken, geschweige denn sie bemerken es auch nicht, aber steckt mal eine Nadel in die Sehne und spannt dann mal den Bogen. Fängt die Nadel beim Auszug an zu rotieren, habt ihr eine schlecht gebaute Sehne.
Für Compound ist das Ausschuß, gibt nichts ätzenderes wie ein drehendes Peep oder so ein Gummiband am Peep um den Laden gerade zu ziehen.
Hallo Wali, ich habe den Test eben gemacht.
Eine 14 Strang FF Sehne, relativ neu (ca 100 Schuss) auf einen 66" Bogen, 192N Endhaltekraft aufgespannt. Die Nadel steckte vor dem Aufspannen drin.
Die Sehne wurde aufgespannt, die Stellung der Nadel war dann ca. 45°zur Schußrichtung, der Bogen wurde mit einem Feinwerkbau Viper Release bis zum Endhaltekraft gespannt. Natürlich ist an meiner Sehne kein Loop dran, das Release wird direkt unter dem Pfeil eingehakt.
Die Nadel drehte sich nicht.
Es muß noch gesagt werden, dass die Sehne ca 2cm länger gefertigt, und um diese 2cm auf die Sehnenstandshöhe eingedreht wurde.
Hat mich eigentlich gewundert... Ich habe damit gerechnet, dass sie rotieren wird. Nichts. Nada...
Gruß und klar doch,
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Re: Wichtige Kenndaten von Sehnengarn

Beitrag von ullr » 27. Feb 2019, 16:50

wapi hat geschrieben:
27. Feb 2019, 15:30
...
....

Nun hatten vor einigen Jahren ein paar "schlaue" Bogenschützen die Idee, dieses Aramid Garn (Kevlar von DuPont) als Bogensehnen zu verwenden. Sie verkannten aber, dass die Arbeitsweise einer Bogensehne absolut nicht den Leistungsmerkmalen eines Aramid-Garnes entsprach: Fazit, nach wenigen 100 Schüssen brach die Kevlarsehne, und zwar nach Lösen das Schusses und unmittelbar mit dem Dämpfen der Wurfarme.
...
Kevlar hielt ca 1000-2000 Schuß, das war auch nicht vor ein paar, sondern vor mehr als 30 Jahren. Es war feuchtigkeitsempfindlich, bei hoher Luftfeuchte hörte man auf dem Turnierfeld häufig das charakteristische Knallen und dann den Jubelruf der anderen Schützen/Innen "Keevlaaaaar!!!!" :lol:
Als Fast Flight kam, war die Hype vorbei....
....
Inzwischen hat sich in der Bogenwelt eine Anwender-Erfahrung entwickelt, die sich von den Verwendungsempfehlungen der Bogensehnengarnhersteller z. T.weit entfernt hat.
...
Könntest Du freundlicherweise diese Bemerkung etwas konkretisieren, die hört sich spannend an.
Wenn also hier die Leistungsfähigkeit von Sehnengarnen diskutiert wird, sollte man unbedingt auch die unterschiedlichen Spinnprozesse beachten.
...
Weshalb? Ich hatte mit Aramid und UHMW Polyethylen in der Schutztechnik ziemlich viel zu tun, aber der Herstellprozeß hat niemanden interessiert. Da war die Erprobung auf dem Schießstand das Maß aller Dinge. Genauso ist es beim Bogensport.
Leider hat die Bogensportwelt nie Anforderungen oder Pflichtenhefte an die Chemiefaser-Industrie gestellt bzw. formuliert, wie ein Garn für Bogensehnen auszusehen hat und welche Anforderungen es erfüllen muss. Ich denke, das wird auch in absehbarer Zeit nicht erfolgen.
...
Du bist tatsächlich der Meinung, die Kunststoffindustrie würde speziell für das Bogenschießen ein Garn entwickeln?
Dazu noch eine Erfahrung aus einer mehrwöchigen Diskussion von mir mit Sid Border zum Thema Bogensehnen. Er hält das bis jetzt vorhandene Garn für "over built" mit dem Hinweis, das alle jetzigen Garne auf Sicht die Bögen zerstören würden.
....
Was für einen Grund sollte das haben? Bis jetzt haben die Bogen die Garne immer geschafft... OK, bei Compound ist ein Sehnenriss unangenehmer als beim Recurve... Wir haben bei Kevlar 'ne Ersatzsehne aufgespannt, und weiter ging das Turnier. Übrigens, der letzte Pfeil, den die Kevlarsehne im Todeskampf auf's Ziel schleuderte, der steckte meistens im Gold.
Zum Schluß noch eine Bemerkung zu dem Begriff Creep. Zu diesem gibt es oftmals ein unterschiedliches Verständnis was auch zu Mißverständnissen führt.
Ja? Creep bezeichnet das Langzeitverhalten eines Werkstoffes unter statischer Dauerbelastung. Was soll da zu Mißverständnissen führen? Alle Kunststoffe zeigen dieses Verhalten, sogar Stahl bei hohen Temperaturen. Da kann es schon mal passieren, dass hochbelaste Turbinenschaufeln sich soweit längen, dass sie am Gehäuse ankratzen... Und das, egal ob Kunststoff oder Metall läßt sich nur in Langzeitversuchen untersuchen.
Gruß
ullr
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Re: Wichtige Kenndaten von Sehnengarn

Beitrag von Wali » 27. Feb 2019, 19:07

ullr hat geschrieben:
27. Feb 2019, 16:50
Ja? Creep bezeichnet das Langzeitverhalten eines Werkstoffes unter statischer Dauerbelastung. Was soll da zu Mißverständnissen führen? Alle Kunststoffe zeigen dieses Verhalten, sogar Stahl bei hohen Temperaturen. Da kann es schon mal passieren, dass hochbelaste Turbinenschaufeln sich soweit längen, dass sie am Gehäuse ankratzen... Und das, egal ob Kunststoff oder Metall läßt sich nur in Langzeitversuchen untersuchen.
Gruß
ullr
Eine Kopie von
https://dolezych.de/dyneema
Kann man mal eben lesen. Interessant wie groß der Unterschied zwischen SK75 und SK78 schon ist. Fasertyp DM20 gibt es wohl noch nicht in der Bogenszene ?

11. Was bedeutet „kriechen“ bei Dyneema®-Fasern und wie unterscheiden sich die einzelnen Fasertypen hierbei?

Im Unterschied zur längenreversiblen Zugdehnung wird unter Kriechen bei Fasern die permanente lineare Längenänderung verstanden. Diese wird verursacht durch dauerhafte hohe Zugbelastung. Dies geht mit Verringerung des Titers (Garnstärke) einher. Alle Materialien kriechen unter permanenter Belastung, wenn die 3T-Kriterien erfüllt sind: die Temperatur Ƭ muss hoch genug sein, die lineare Spannung T (tension) muss hoch genug sein und die Zeit t muss lang genug dauern. Man denke an unten verdickte Kirchenfenster (hoch: t, T) oder an das Ziehen von dünnem Draht aus glühendem dicken Rohling im Walzwerk (hoch: T, Ƭ). Gegenüber SK75, einer der „dienstältesten“ Dyneema®-Fasern, kriecht die neuere Faser SK78 dreimal weniger unter Dauerbelastung. In anderen Worten: Um die gleiche Längenänderung zu erreichen, muss bei SK78 die dreifache Zugspannung T auferlegt werden b.z.w. die dreifache Zeit t investiert werden. Unterhalb Ƭ< 10° C tritt bei keiner Dyneema® Fasertype messbares Kriechen mehr auf. Die neuartige Fasertype DM20 kriecht nochmals zehnmal weniger als SK78 und ist damit für die meisten Anwendungen als kriechfrei qualifiziert.

Hier die Übersicht von BCY Sehnengarnen http://www.bcyfibers.com/Bowstring.php
Da gibt es mittlerweile X-99 Bowstring = 80% SK99 Highest Quality Dyneema - 20% Vectran.
Ich frag mich gerade , warum die immer noch Vectran reinmischen ? Wenn SK78 schon so gut ist, wo ligt dann SK99 mit den Werten. Warum gibt es noch 452X ? Das Zeug ist noch aus uralten Dyneema. Klar funktioniert astrein aber es gibt besseres für das gleiche Geld.
Ich denke auf Vectran kann man gut verzichten, da wird die Sehne nur fusselig.

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