Wiederfinden verschossener Pfeile

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ullr
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Wiederfinden verschossener Pfeile

Beitrag von ullr » 4. Sep 2020, 08:51

Knapp daneben ist auch vorbei. Besonders interessant wird es, wenn im Freien neben/über/unter die Scheibe geschossen wird. Bei Pfeilen ab 10.-€ wird es interessant, sie zu suchen.
Ich bringe meinen Anfängern, wenn sie denn von mir oder meiner Frau weiterbetreut werden, folgendes Verfahren bei:
Man muss ungefähr abschätzen, wo der Pfeil in Höhe und Seite die Zielscheibe verfehlt hat.
1. Man stellt seinen Bogen auf die Schießlinie, genau dahin, wo der Körperschwerpunkt war.
2. Man steckt einen Pfeil ungefähr an der Stelle, an der der verschossene Pfeil die Zielscheibe passiert hat, senkrecht in den Boden. So hat man -ungefähr- die Richtung in der man zweckmäßigerweise suchen sollte.
3.Wie weit ist er geflogen?
Man kann ungefähr die Höhe abschätzen, mit der der Pfeil die Zielscheibe passiert hat. War es die Höhe der Scheibe, nimmt man 2m, war es seitlich ungefähr die Mitte, nimmt man 1,5m. unter der Scheibe ca 0,8 bis (seitlich) 1m.
4. die ungefähre Pfeilgeschwindigkeit nimmt man bei einem normalen Bogen 50m/s bei einem Hochleistungsbogen 60m/s.
So, jetzt kommt der interessante Teil. Mit Gefüüühl... :D ... ist einem nicht geholfen, wohl aber mit nüchterner, einfacher Physik.
Der Pfeil fällt ja. Wieviel Zeit braucht er, um den Erdboden zu berühren?
Also, Fallhöhe =g/2* t zum Quadrat. g ist die Erdbeschleunigung 9,81m/s^2, also aufgerundet 10m/s^2
Man formt also die Fallhöhengleichung nach t (Zeit) um und bekommt t=Wurzel aus (2*Fallhöhe/Erdbeschleunigung)
Jetzt ziehen wir mal ein Beispiel durch bei einer angesetzten Pfeilgeschwindigkeit von 50 m/s:
Vorbeiflughöhe bei der Scheibe: 2m
Also ist t die Wurzel aus (2*Fallhöhe/10) Da bekommt man 0,6s. Solange fliegt der Pfeil noch in der Luft, bevor er den Boden berührt.
Die Entfernung von der Zielscheibe in der festgehaltenen Schußrichtung ist Geschwindigkeit*Zeit, also 50*0,6 =30m.
Dort (ungefähr) wird sich der Pfeil finden lassen.
Als Werkzeug zum Suchen eignet sich hervorragend ein Fugenkratzer. Nach einiger Zeit hat man das Kratz"gefühl" ;) ganz gut raus um nicht zwei Pfeile zu finden.
8-)
Hört sich alles ein wenig kompliziert an, ist es aber nicht, und das Rechnen ist mit dem Smartphone nur noch ein Klacks. Ich rechne allerdings, wenn ich jemandem helfe, immer noch per Kopf. 8-)
ullr
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DrJ
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Re: Wiederfinden verschossener Pfeile

Beitrag von DrJ » 4. Sep 2020, 09:22

Sehr gut dargestellt. Danke.
Allerdings funktioniert sowas nur im Training und da auch nur, wenn man quasi alleine ist.
Wenn im Turnier schon die Nachfolgegruppe drängelt oder die Kollegen an der Schießlinie, hat man nicht die Zeit lange zu suchen bzw. das Suchschema von dir abzuarbeiten. Da hilft nur ein gutes Auge, die grobe Richtung und viel Glück.

Jürgen
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ullr
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Re: Wiederfinden verschossener Pfeile

Beitrag von ullr » 4. Sep 2020, 11:23

DrJ hat geschrieben:
4. Sep 2020, 09:22
Sehr gut dargestellt. Danke.
Allerdings funktioniert sowas nur im Training und da auch nur, wenn man quasi alleine ist.
Wenn im Turnier schon die Nachfolgegruppe drängelt oder die Kollegen an der Schießlinie, hat man nicht die Zeit lange zu suchen bzw. das Suchschema von dir abzuarbeiten. Da hilft nur ein gutes Auge, die grobe Richtung und viel Glück.

Jürgen
Ja, natürlich. Hätte ich erwähnen sollen. Im Turnier hilft nur, genügend Pfeile mitzunehmen... Und klar ist auch, dass dieses Suchschema für Feldbogenschützen nur extrem eingeschränkt anwendbar ist. Selbst im Training...
;)
Gruß und klar doch,
"Gut Schuss!"
Christian
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