Wie funktioniert mentales Training?

Methodik, Mentales, ...
Benutzeravatar
Kitty
Beiträge: 229
Registriert: 16. Jul 2018, 21:34

Wie funktioniert mentales Training?

Beitrag von Kitty » 28. Jul 2018, 17:31

rstoll hat geschrieben:
27. Jul 2018, 11:39
Kitty hat geschrieben:
27. Jul 2018, 11:31
Mentales Training ist wichtiger aber ich weiß nicht so recht wie ein solches aussieht. Ich kann man Schießtechnik trainieren, aber wie trainiere ich mich mental?
Hallo Kitty,
wäre das nicht ggf. einen eigenen Beitrag wert?
MK Alpha RH~Uukha VX1000 34,5# bei 29,6"~BYC8125G 16 Strang~Easton X10 Stabis~TEChro VBar~Shibuya Ultima Rest~Button & Klicker v. Beiter~SL QuestX~X7 1914 mit 4" Gaspro RH & ACE 670 mit 1 3/4" Spinewings RH

Benutzeravatar
Kitty
Beiträge: 229
Registriert: 16. Jul 2018, 21:34

Re: Wie funktioniert mentales Training?

Beitrag von Kitty » 28. Jul 2018, 17:32

oko_wolf hat geschrieben:
27. Jul 2018, 14:25
Gute Frage. Ich hab mir ein paar Bücher besorgt (z.B. "Psychlogie für Sportschützen", "Mentale Fitness beim Bogenschießen") komme aber nicht richtig weiter.
MK Alpha RH~Uukha VX1000 34,5# bei 29,6"~BYC8125G 16 Strang~Easton X10 Stabis~TEChro VBar~Shibuya Ultima Rest~Button & Klicker v. Beiter~SL QuestX~X7 1914 mit 4" Gaspro RH & ACE 670 mit 1 3/4" Spinewings RH

Benutzeravatar
rstoll
Beiträge: 295
Registriert: 27. Mai 2018, 18:02

Re: Wie funktioniert mentales Training?

Beitrag von rstoll » 28. Jul 2018, 18:33

Hallo Kitty,
ich hatte im Rahmen der Trainerweiterbildung jetzt schon mehrfach Mental-Kurse besucht und auch mit dem Referenten Markus Koch http://cohema.de/schon zwei Veranstaltungen im Verein durchgeführt.
Die Mentaltrainer, welche bei uns im WSV die Kurse machen, wurden alle an der Mentaltrainerakademie von Michael Draksal ausgebildet.
Vor ca. 6 Jahren habe ich mich erstmalig mit den Thema befasst und Hörbücher, ... gesucht.
Nach zahllosen unbefriedigenden Ergebnissen, welche alle den Schwerpunkt Autosuggestion zum Inhalt hatte, bin ich dann beim Hörbuch von Michael Draksal https://www.buecher.de/shop/erfolg/mit- ... /39915189/ gelandet und hatte damit erstmals "Handwerkszeug" welches ich auch im Training anwenden konnte. Diese CD kann ich nur jedem als sinnvollen Einstieg empfehlen. Auf dieser inhaltlichen Basis fanden auch die Mentallehrgänge statt. Zusammen mit den Trainerweiterbildungen waren die wesentlichen Schwerpunkte :
- Selbstregulierung (Aktivierung/Beruhigung)
- realistische Selbsteinschätzng
- Handlungspläne
- Life Kinetics-Übungen
- ...
Manches ging zwar in Richtung Esotherik, das meiste war aber echtes "Handwerkszeug" was ich jedem guten Herzens empfehlen kann.
Sollte jemand interessiert sein kann ich gerne auch einmal das Hörbuch ausleihen.
Hier ärgere ich regelmäßig Kinder und Erwachsene ;-) www.bsc-schoemberg.de

Benutzeravatar
rstoll
Beiträge: 295
Registriert: 27. Mai 2018, 18:02

Re: Wie funktioniert mentales Training?

Beitrag von rstoll » 28. Jul 2018, 19:15

Nachtrag: Ich kann nur jedem empfehlen, nicht nur darüber zu lesen bzw. anzuhören, sondern es wirklich mal in der Praxis zu erfahren!
Hier ärgere ich regelmäßig Kinder und Erwachsene ;-) www.bsc-schoemberg.de

Benutzeravatar
ullr
Beiträge: 568
Registriert: 28. Mai 2018, 09:39

Re: Wie funktioniert mentales Training?

Beitrag von ullr » 7. Aug 2018, 15:06

Ich gehe jetzt mal von ausgebildeten Schützen*innen aus, die ihren Stil gefunden haben und auch nicht mehr wirklich an ihrer Ausrüstung basteln müssen.
1.Die erste Frage ist, was soll Mentales Training bewirken?
Meine Antwort: Es soll den komplexen Bewegungsablauf beim Schießen so wiederholbar wie möglich machen. Die innere Konditionierung soll den Schußablauf so automatisch wie möglich durchführen.
2.Was sollte der Schütze als erstes dazu tun?
Er muß zuallerst eine Inventur über seinen Bewegungsablauf durchführen und diesen Bewegungsablauf in einzelnen Punkten schriftlich niederlegen.
Beispiel:
Ausgangspunkt ist der Stand an der Schießlinie, Pfeil auf der Sehne eingenockt.
1. Bogen etwas, etwas spannen, anheben, Finger bewußt um die Sehne legen und Platzieren (Beispiel Musikinstrument, keine Kuhkette) den ersten Druck des Bogen in seiner Bogenhand an der richtigen Stelle spüren.
2. Bogen etwas mehr spannen, vielleicht 15cm, vollständig anheben, Visier grob auf Ziel richten.
Schultergelenke etwas nach hinten drehen, Kopf senkrecht, auf das Ziel drehen.
Bogenarmellbogen etwas ausdrehen (Von der Sehne weg)
Zugarmellbogengelenk anheben.
Visier auf Ziel genauer ausrichten
3. Spannen des Bogens mit den Rückenmuskeln, dem Unbewußten überlassen, das Visier auf dem Ziel in der Haltefläche zu lassen
4. Spannen mit abfallender Geschwindigkeit, Anschlag im Gesicht, Sehne, wenn notwendig durch leichte Drehung des Kopfes an die vorgesehene Stelle im Visierbild bringen. Spannen, Spannen und sonst garnichts, garnichts, das Visierbild in der Haltefläche wird von meinem Ungewußten gesteuert. Das nennt man Selbertrauen (Wortschöpfung von Lea... ;) )
5. Spannen. Klick. Der Schuß bricht. Die Waffe und der Körper reagiert.
6. Nachhalten, der Schütze*in kontrolliert anhand der Bewegungen von Waffe und Körper, ob sein Bewegungsablauf normal war.
Jeder Schütze*in wird ein eigenes Verfahren haben, dieses Beispiel soll nur zeigen, was ich mit "Inventur" meine.
Diese Inventurliste muß, wenn man sich ernsthaft damit beschäftigen will, niedergeschrieben werden.
Aus dieser Liste erstellt sich der Schütze*in ein Mantra über die Stellen, die ihm besonders wichtig sind, ein Gebet, das er immer und immer wieder aufsagen kann.
als allerzweites muß der Schütze die Grundlagen des autogenen Trainings beherrschen. Das ist wirklich einfach zu lernen. Bücher darüber gibt es genug:
Ich bin ruhig
Ich bin ganz ruhig
Meine Beine sind warm.
Meine Arme sind warm
Mein Atem geht ruhig und regelmäßig
Mein Herz schlägt ruhig und regelmäßig
Sonnengeflecht (solarplexus ;) ) strömend warm.
Jetzt verbindet er sein Mantra mit autogenem Training. Jeden Tag, wenn der autogene Flow da ist (das Sonnengeflecht ist strömend warm), betet er sein Mantra und denkt dabei intensiv an die dazugehörigen Bewegungsabläufe. Und natürlich betet er sein Mantra vor jedem Schuß.
Wenn er einen vernünftigen Trainer hat, kann er das alles mit ihm durchsprechen. Die Vernünftigkeit des Trainers (auch des Mentalen kann er in den meisten Fällen damit testen, ob der Trainer auf seine Wünsche, Schwierigkeiten, Vorstellungen eingeht.
Gruß
ullr
One of the greatest tragedies in life
is the murder of a beautiful theory
by a gang of brutal facts.
- Benjamin Franklin –
Meine Website

Benutzeravatar
Kitty
Beiträge: 229
Registriert: 16. Jul 2018, 21:34

Re: Wie funktioniert mentales Training?

Beitrag von Kitty » 7. Aug 2018, 15:29

Danke für deinen Beitrag, Christian.
Vielleicht meldet sich ja auch noch mark1968. Das ist ja sein Thema. Angemeldet hier im Forum ist es ja schon Mal.
MK Alpha RH~Uukha VX1000 34,5# bei 29,6"~BYC8125G 16 Strang~Easton X10 Stabis~TEChro VBar~Shibuya Ultima Rest~Button & Klicker v. Beiter~SL QuestX~X7 1914 mit 4" Gaspro RH & ACE 670 mit 1 3/4" Spinewings RH

mark1968
Beiträge: 1
Registriert: 16. Jul 2018, 12:05

Re: Wie funktioniert mentales Training?

Beitrag von mark1968 » 22. Aug 2018, 15:46

Kitty hat geschrieben:
7. Aug 2018, 15:29
Danke für deinen Beitrag, Christian.
Vielleicht meldet sich ja auch noch mark1968. Das ist ja sein Thema. Angemeldet hier im Forum ist es ja schon Mal.
Ich denke, Christian hat in seinem letzten Beitrag schon alles sehr schön und vor allem verständlich aufgezeigt. Jeder, der das verstanden hat, kann sich nun seinen Weg gestalten. Ein (guter) Trainer wird ihm helfen, vorhandene Potentiale zu erkennen und auch zu nutzen. Der ein oder andere mag Worte wie "Mantra", "autogenes Training" etc. für sich nicht passend finden. Hier gilt für den Trainer eine Wortwahl (einen Wortschatz) zu finden, in dem der Schütze sich zu Hause fühlt.

Gruß

Markus

Benutzeravatar
mbf
Beiträge: 185
Registriert: 28. Mai 2018, 08:27

Re: Wie funktioniert mentales Training?

Beitrag von mbf » 18. Sep 2018, 10:34

ullr hat geschrieben:
7. Aug 2018, 15:06
1.Die erste Frage ist, was soll Mentales Training bewirken?
Meine Antwort: Es soll den komplexen Bewegungsablauf beim Schießen so wiederholbar wie möglich machen. Die innere Konditionierung soll den Schußablauf so automatisch wie möglich durchführen.
Ich möchte noch ergänzen, dass es auch dazu dient, äußere Einflüsse, die man nicht beeinflussen kann und die einen nachteiligen Einfluss haben können, vom Schützen fernzuhalten, damit der sich nur noch auf das Schießen fokussiert. Lärm hinter der Schießlinie, andere Schützen, Ligamusik, Witterung, ... was auch immer einen Schützen individuell stört. Aus einem anderen Topic kam der Aspekt des möglichen Verfehlens der Scheibe, z.B. beim Schießen auf Spots. An der Schießlinie gibt's nur den Schützen, den Bogen/Pfeil und das Ziel. Wo der Pfeil landet, das ist ein Aspekt der Zukunft.

Auch hilft es, mit Drucksituationen umzugehen, z.B. im Finale oder Stechen. Man muss ausblenden, dass der/die nächsten Pfeile besonders wichtig sind. Es sind einfach Pfeile, die geschossen werden - konsequent, wie alle anderen auch.

Und so gesehen dient es schon dazu, den Schussablauf so weit wie möglich zu automatisieren, es sind aber noch andere Anforderungen, die dazu führen.
Als User schreibe ich schwarz, als Moderator rot.

Benutzeravatar
mbf
Beiträge: 185
Registriert: 28. Mai 2018, 08:27

Re: Wie funktioniert mentales Training?

Beitrag von mbf » 18. Jul 2019, 15:40

Scheint doch nicht so ganz trivial zu sein. Aktuelle Zitate aus dem Nachbartopic:
ullr hat geschrieben:
16. Jul 2019, 08:52
Sternturnier, Kampf um den 1100ter Stern. In der letzen Passe auf 30m mußten 25 Ringe her. Kein Problem.
Erster Schuss: 8... Immer noch kein Problem...
zweiter Schuss: 8.... Sch... Jetzt isses ein Problem. Sch.... drauf... :mrgreen:
dritter Schuss: TenterängTenTen. :D Der Stern mit 1101 Ringen bekommen. Mann, war ich stolz...
Sternturnier. Über 1100 mußten es werden. Aber Hallo!
Kitty hat geschrieben:
16. Jul 2019, 09:47
Was für mich gar nicht geht, ist daran zu denken, dass ich noch 30 Ringe brauche um dies und jenes zu schießen. Das geht oft schief. Bei der Landesmeisterschaft sind mir beim letzten Schuss auch die Nerven durchgegangen, so dass ich ins Blau geschossen habe.
b_der_k_te hat geschrieben:
16. Jul 2019, 13:36
Habe vor ein paar Wochen ebenfalls eine Doppel-FITA geschossen und auf der letzten Distanz (30m) angefangen zu überlegen ob ich noch einen bestimmten Score erreichen kann. Vor allem weil die vorletzte Passe ganz gut war... Natürlich war die letzte ein Debakel. Und das obwohl es um absolut Nichts geht. Wenn dann beweist man nur sich selbst etwas. Hätte es besser wissen sollen.
Andere Beispiele:
144er Runde (vgl anderes Topic), 1100 waren das Ziel. Habe ich im Normalfall ganz gut drauf. Die langen Distanzen gingen gar nicht, 50 m dann top und jetzt... will ich es wissen. 30 m. 316 brauche ich noch. Kein Thema. Eröffnet mit (6er Passen): 53, 51, 50. Okeeehhh... dann mit einer 53 etwas gefangen. So, jetzt brauchste nur noch eine 54 und eine 55. Nur noch. Haste heute noch nicht geschossen. Also mach mal. Und ignoriere, dass die Kondition schon auf dem Heimweg ist. Bäm. 56 und 56, letzte Passe alle im Gold. Geht doch. Und tieeeef durchatmen.

Oder eine Feld&Jagd vom DFBV. 3 Tage. An der letzten Scheibe hatte ich ca. 12 Ringe Vorsprung. Noch 20 zu vergeben. Oder zu verlieren. Mitschütze schießt eine 18. Jetzt reicht ein 2. Körper. Bloß nicht dran denken, was passiert, wenn der erste fehlgeht und der 2. zittert... dann sind schnell die letzten rund 250 Pfeile fürn Popo. Egal, erster drauf und fertig.

Sowas klappt natürlich nicht immer... bei mir läuft der Zähler im Hirn mit, je enger es wird. Sei es der direkte Zweikampf oder das Erreichen einer bestimmten Ringzahl ("Für die DM solltest Du besser mal 300+ hinkriegen..."). Nur - gerade dann schaffe ich es (meist), mich besonders zu fokussieren. Dann ist der einzelne Pfeil wichtig. Und hinterher ärgere ich mich, dass ich diese Konzentration und Konsequenz bei der Schussausführung nicht schon vorher hinbekommen habe. Merke: Stabilität in Krisenzeiten hilft nix für den Normalbetrieb...
Als User schreibe ich schwarz, als Moderator rot.

pfeilindemitte
Beiträge: 3
Registriert: 9. Sep 2019, 16:58

Re: Wie funktioniert mentales Training?

Beitrag von pfeilindemitte » 11. Sep 2019, 16:43

mentales Training ist grob beschrieben die Vorstellung von Bewegungen ohne deren Ausführung. Der Sportpsycho. Eberspächer hat sich damit vor 20 Jahren intensiv beschäftigt, man kann seine Bücher kaufen, lesen u gut wieder verkaufen :D . Zum mentalen Bogenschießen gibt es ein Anwendungsbuch, das man über die Fernausleihe auch kostenlos an den Unis bekommt http://www.educatium.de/bogenschiessen-mental/
Ansonsten kann man auch einfach selbst mentale Ü erfinden, je nachdem, wo man kleine Fehlerchen findet ;)

netten Herbst !

Antworten