Rechts-und Linkshändigkeit, Leitauge

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ullr
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Rechts-und Linkshändigkeit, Leitauge

Beitrag von ullr » 2. Feb 2019, 23:29

Bevor ein Anfänger mit dem Schießsport beginnt, sollte sehr sorgfältig untersucht werden, welches Auge sein Leitauge oder "dominantes" Auge ist. Über dieses Auge gibt das Gehirn die Richtung vor, in die gewiesen wird, oder in die die Aufmerksamkeit gerichtet wird. Allgemein denkt man, dass das Leitauge mit der Händigkeit gekoppelt ist.
Das ist nicht der Fall.
Vor Beginn der Ausbildung muß auf jeden Fall festgestellt werden, welches Auge das Leitauge ist, und diese Feststellung bestimmt, ob es ein Rechts- oder Linkshandschütze*in wird.
Ich habe dieses Problem in einem Artikel "Linkshand/Rechtshand, Leitauge" zusammengefasst und bitte um ausgiebige Diskussion und Kritik
Gruß und klar doch,
"Gut Schuss!"
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sk90
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Re: Rechts-und Linkshändigkeit, Leitauge

Beitrag von sk90 » 3. Feb 2019, 09:12

Hallo Ullr

Wie immer ein sehr guter Artikel, Danke.

Eine wichtige Anmerkung hätte ich:
Ich vermeide es immer, den Leuten vor den Tests zu sagen, worum es dabei geht. Durch diese einfache "Verblindung" bleibt der sonst in der Tat sehr häufige "Mogelfaktor" in aller Regel aus.
Danach folgt dann die Erklärung. Häufig wiederholen die Testpersonen den Test dann von sich aus und schummeln, was das Zeug hält. Natürlich insbesondere dann, wenn das Ergebnis nicht das gewünschte war. Dann kan man seelenruhig erklären, dass das zwar sehr menschlich, aber letztlich Selbstbetrug ist...

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dreimaldiesechs
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Re: Rechts-und Linkshändigkeit, Leitauge

Beitrag von dreimaldiesechs » 3. Feb 2019, 09:57

'Über Kreuz' zu schießen, also mit dem nicht dominanten Auge zu zielen und das dominante zu schließen ist jetzt auch kein Beinbruch oder die Wurzel alles Bösen.
Ich bin erst im Erwachsenenalter zum Bogenschießen gekommen und konnte es beim Besten Willen nicht mit meinem Körpergefühl vereinbaren mit der linken Hand zu ziehen. Ich bezweifele, dass ich 'anders herum' heute auf höherem Niveau schießen würde.
Gruß! Thomas
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ullr
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Re: Rechts-und Linkshändigkeit, Leitauge

Beitrag von ullr » 3. Feb 2019, 11:46

dreimaldiesechs hat geschrieben:
3. Feb 2019, 09:57
'Über Kreuz' zu schießen, also mit dem nicht dominanten Auge zu zielen und das dominante zu schließen ist jetzt auch kein Beinbruch oder die Wurzel alles Bösen.
Ich bin erst im Erwachsenenalter zum Bogenschießen gekommen und konnte es beim Besten Willen nicht mit meinem Körpergefühl vereinbaren mit der linken Hand zu ziehen. Ich bezweifele, dass ich 'anders herum' heute auf höherem Niveau schießen würde.
Ja, gebe ich zu, es ist schwierig. Ich schlage dann dem Betreffenden vor, mit Augenklappe zu schießen, also das eigentliche Leitauge abzudecken.
Das geht.
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dreimaldiesechs
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Re: Rechts-und Linkshändigkeit, Leitauge

Beitrag von dreimaldiesechs » 3. Feb 2019, 12:28

dreimaldiesechs hat geschrieben:
3. Feb 2019, 09:57
Ich schlage dann dem Betreffenden vor, mit Augenklappe zu schießen
Worin siehst Du da den Vorteil gegenüber dem simplen schließen des Auges?
Dass ich das Auge versehentlich offen lasse ist mir schlicht noch nie passiert.
Gruß! Thomas
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ullr
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Re: Rechts-und Linkshändigkeit, Leitauge

Beitrag von ullr » 3. Feb 2019, 13:45

dreimaldiesechs hat geschrieben:
3. Feb 2019, 12:28
Ich schlage dann dem Betreffenden vor, mit Augenklappe zu schießen
Worin siehst Du da den Vorteil gegenüber dem simplen schließen des Auges?
Dass ich das Auge versehentlich offen lasse ist mir schlicht noch nie passiert.
Wenn Du nicht mit dem Leitauge schießt, sondern dieses nur zukneifst, kann es passieren (der Teufel ist ein Eichhörnchen, es passiert) dass Du während des Zielprozesses Dein Leitauge etwas öffnest, dann springt sofort die Richtung um, und Du mußt es noch nicht mal merken, das Ergebnis wird ein veritabler Fehlschuß sein.
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Re: Rechts-und Linkshändigkeit, Leitauge

Beitrag von ullr » 3. Feb 2019, 13:52

sk90 hat geschrieben:
3. Feb 2019, 09:12
...
Ich vermeide es immer, den Leuten vor den Tests zu sagen, worum es dabei geht. Durch diese einfache "Verblindung" bleibt der sonst in der Tat sehr häufige "Mogelfaktor" in aller Regel aus.
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Es freut mich dass auch andere diese Erfahrung gemacht haben
Ich möchte wirklich gerne wissen, weshalb Erwachsene das tun. Bei Kindern/Jugendlichen verstehe ich das ja, die probieren es einfach aus...
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Re: Rechts-und Linkshändigkeit, Leitauge

Beitrag von Burki » 3. Feb 2019, 15:50

Also ich selbst hatte nie Probleme mit dominant oder nicht. Ich kann meine Augen einsetzen wie ich will.
Ich kann mir garnicht vorstellen mit dem falschen Auge zu zielen- der Sprung ist gewaltig und das Bild völlig ungewohnt.
Von Kollegen kenne ich das aber sehr wohl. Und auch daraus resultierende Fehlschüsse.
Es gibt auch leute die nicht in der lage sind, ein Auge zu schließen und das andere dabei offen zu halten.
Die benutzen bei uns Klappen oder klappbare Abdeckungen für die Brille.
Ein verdorbener Spaß ist noch genießbar...

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Re: Rechts-und Linkshändigkeit, Leitauge

Beitrag von b_der_k_te » 6. Feb 2019, 11:24

Letztens in einem Gespräch mit einem Trainer schnitt dieser auch dieses Thema an. Anlass war eine Trainingswoche die ihn gemeinsam mit dem derzeit besten österreichischen Recurveschützen in die Türkei führte. Dort trainierten sie gemeinsam mit dem deutschen Nationalkader und mit türkischen Schützen (bin mir nicht sicher ob es sich auch um türkischen Nationalkader handelte, vermutlich aber schon) in einer Halle auf 70m.
Der österr. Schütze hat sein Leitauge links und schießt deshalb auch einen Linkshandbogen; denn so wurde es ihm gelehrt weil es auch der gängigen Meinung in Österreich entspricht.
Nun gibt es Nationen die in ihrem Kader keinen einzigen Linkshandschütze*in haben, angeblich sogar bewußt nicht aufnehmen.
So ist es auch im türkischen Nationalkader. Dementsprechend ist der der österr. Schütze aufgefallen.

Nun ist es aber nicht so das diese Kader keine Schützen mit links dominatem Auge hätten. Dem ist schon so, die schießen aber allesamt Rechtshand mit Augenklappe.
Im Gespräch mit den türkischen Trainern kam dann die dahinter stehende Philosophie zum Vorschein welche diese Vorgehensweise begründet:
Sie geht von der Einteilung der beiden Gehirnhälften aus, nach der eine Gehirnhälfte für rationale, die Andere für kreative Aufgaben zuständig ist. Für zielsicheres Bogenschießen sei es notwendig jene Hälfte zu verwendet die eben für diese Aufgabe ausgelegt ist. Diese wiederum wird nur angesprochen indem das rechte Auge zum zielen verwendet wird. (Soweit ich mich erinnern kann sind die Augen über den Sehnerv direkt mit einer Gehirnhälfte verbunden, und zwar mit jener auf der gegenüberliegenden Seite.)

Ein interessanter Ansatz die "Dominanz" vom Auge zu trennen und gleich noch eine Instanz höher zu gehen. (Gehirn) :lol:
Ob die Aufgabenverteilung der Gehirnhälften heute immer noch medizinisch Bestand hat kann ich nicht beurteilen.

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Re: Rechts-und Linkshändigkeit, Leitauge

Beitrag von ullr » 6. Feb 2019, 14:29

[OT]
Möglicherweise stecken in diesem Ansatz Bestrebungen, ideologischen "Ansichten " - Links ist böse, des Teufels, hinterhälig, satanisch eine Pseudobegründung zu geben. Wieviel Kinder wurden bis vor kurzem in der Schule regelrecht gequält, nicht mit der "bösen" Hand zu schreiben.
[/OT]
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